Eine Dichtung ist wie ein Gemälde: es gibt solche, die dich, wenn du näher stehst, mehr fesseln, und solche, wenn du weiter entfernt stehst; dieses liebt das Dunkel, dies will bei Lichte beschaut sein;… dies hat einmal gefallen, doch dieses wird, noch zehnmal betrachtet, gefallen.›

Diese Sätze sind zweitausend Jahre alt. Aufgeschrieben hat sie der römische Dichter Horaz in einem Brief an die Söhne eines römischen Stadtpräfekten; Sätze aus einer poetischen Epistel, die für viele Jahrhunderte das Zentrum der Reflexion über Dichtung bildeten. Ut pictura poiesis– Eine Dichtung ist wie ein Gemälde, Dichtung ist wie Malerei: Diese fast magische Formel für das poetische Nachdenken über Kunst beschäftigt auch noch die Schriftsteller des 21. Jahrhunderts.

Das Bild als stumme Dichtung – dieser Aspekt ist Ausgangspunkt einer Lesungs- und Ausstellungsreihe des Kunstvereins Schieder-Schwalenberg. Wie reagiert ein bildender Künstler auf einen literarischen Text? Wie verbindet ein sowohl literarisch als auch bildnerisch arbeitender Künstler ‹poème image›? 

Die Künstlerin Ute Langanky und der Dichter Thomas Kling haben in ungewöhnlicher Weise als Lebens- und Kunstgemeinschaft zusammengewirkt. Entstanden sind zahlreiche gemeinsame Buch- und Mappenprojekte, Text- und Fotoserien, die in diesem schwierigen Terrain, visuelle und verbale Seite zusammenzubringen, Erstaunliches leisten. Text und Bild durchdringen, ergänzen und kommentieren sich. Immer galt es, das Nebeneinander von Wort und Bild im illustrativen bzw erläuternden Sinn zu vermeiden. Jedes Medium beansprucht seinen notwendig selbstständigen Wirkraum. Daraus entwickelt sich die Bild- bzw. Textfolge. Zum 200. Geburtstag von Annette von Droste-Hülshoff im Jahr 1997 entstand die Arbeit ‹Spleen. Drostedialog›, eine 14teilige Abfolge von Schwarzweiß- und Farbfotografien, die als Präparate drostescher Verfaßtheit zu sehen sind, so wie das Langgedicht von Thomas Kling auf verschiedene prototypische Gemütsverfasssungen der Dichterin eingeht.

‹Ist mit Ute Langanky nicht eine Reporterin machtvoller Stille am Werk? Der es in der Anordnung als fortlaufendes Band gelingt, die Zeitlichkeit des Objekts in der Konstruktion für einen Moment zum Reden zu bringen? Der es gelingt, das punktuell Zeitliche in bewegten Abläufen zu konstruieren? Dies – die Bildwoge – ist der Leitgedanke von Langankys Fotografie› (aus einer Einführungsrede von Thomas Kling zur Fotografie von Ute Langanky, gehalten 1999).

Concrete V, VI, 2019, Acryl auf Nessel, je 100 x 150 cm

 

Alte Post Neuss / Städtische Galerie, 72. Jahresausstellung
8.12.2019 – 12.01. 2020

Flüchtige Entwürfe,
Ausstellung der Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes zum künstlerischen Medium der Skizze, 16. 09.2019 – 11.10. 2019

Deutscher Künstlerbund
Markgrafenstraße 67
10969 Berlin

Concrete I, 2017, Acryl auf Nessel,  140 x 210 cm

 

Concrete II
Malerei und Fotografie
26. 04.2019 – 8. 06. 2019

Einführungstext Gabriele Uerscheln

Galerie Konrad Mönter KG
Kirchplatz 1- 5
40670 Meerbusch-Osterath